• Psychotherapie

    Verhaltenstherapie als Teilbereich der Psychotherapie

Psychotherapie

Die Verhaltenstherapie als Teilbereich der Psychotherapie

Was ist Psychotherapie?
„Der Begriff „Psychotherapie“ hat seinen Ursprung im Griechischen. Wörtlich übersetzt bedeutet er „Behandlung der Seele“. Die Psychotherapie ist ein bewusst geplanter, systematischer und zielgerichteter Veränderungsprozess. Er setzt an psychischen oder psychosomatischen Problemen an und wird mit Hilfe von psychologischen Mitteln durchgeführt. In der Regel geht es in der Therapie um die systematische Beschäftigung mit dem eigenen Erleben, Denken, Fühlen und Verhalten – mit dem Ziel, bestehende Probleme zu lösen, zu bessern oder zu lindern. Je nach Schwerpunkt der angewandten Therapieverfahren stehen eher Gespräche bzw. Einsichten in die persönliche Kindheit / Vergangenheit (analytische und/oder tiefenpsychologische Therapien) oder die aktive, erlebnis- und handlungsorientierte Auseinandersetzung mit aktuellen Schwierigkeiten (Verhaltenstherapie) im Mittelpunkt. Insgesamt leistet Psychotherapie sowohl bei der Behandlung als auch zur Vorbeugung psychischer Probleme sehr gute Dienste. Psychotherapie ist letztlich der Oberbegriff für die unterschiedlichsten Ansätze, zu denen auch die Verhaltenstherapie gehört.“

Was ist Verhaltenstherapie?
„Die Verhaltenstherapie ist eine Therapierichtung, die besonders auf wissenschaftlich-psychologischer Grundlagenforschung beruht. Die Entstehung des Begriffes selbst wird auf die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts datiert. Damals ging es in erster Linie darum, die Erkenntnisse psychologischer Verhaltens- und Lerntheorien für die Erklärung bzw. Behandlung psychischer Probleme zu nutzen. Seitdem hat sich die Verhaltenstherapie – wie das Fach Psychologie selbst – ständig weiterentwickelt. Sie profitierte einerseits dadurch, dass in den 70er und 80er Jahren vermehrt Forschungsanstrengungen unternommen wurden, andererseits durch die Anerkennung in der Öffentlichkeit. Zu Beginn der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts setzte sich dann die Auffassung von Verhaltenstherapie als eine „Anleitung zum Selbstmanagement“ durch.“

Kennzeichen der Verhaltenstherapie:
„Der wichtigste Grundgedanke der Verhaltenstherapie ist die Annahme, dass menschliches Verhalten im Laufe des bisherigen Lebens erlernt wird. Dementsprechend kann es wieder verlernt oder zum Positiven korrigiert werden. Dies gilt gleichermaßen für „normales“ wie für „problematisches“ Verhalten, für Gedanken genauso wie für Gefühle oder körperliche Reaktionen. Auch können viele bislang fehlende Fähigkeiten neu dazugelernt werden, oder Menschen lernen mit Hilfe der Verhaltenstherapie andere / bessere Verhaltensweisen, um mit Problemsituationen zurecht zu kommen. Kern der Verhaltenstherapie ist letztlich die „Hilfe zur Selbsthilfe“.“

Ziel der Verhaltenstherapie:
„Die heutige Verhaltenstherapie stellt das Ziel der Selbststeuerung von Menschen an oberste Stelle. Sie versucht, Hilfen zur Lebensgestaltung zu vermitteln und die Autonomie und Selbstverantwortung zu fördern, bis der Patient vom Therapeuten wieder unabhängig wird und dann kein „Patient“ mehr ist.
In der Therapie selbst geht es zunächst um die aktive Bewältigung von aktuellen Problemen. Deren Wurzeln können zwar in der persönlichen Lebensgeschichte weit zurückliegen; jedoch müssen Personen heute lernen, mit den Schwierigkeiten umzugehen und andere, positive Erfahrungen zu machen.
Ein weiteres Ziel der Verhaltenstherapie liegt darin, Patienten zu helfen, künftige Probleme vorab zu erkennen und sich auf absehbare Schwierigkeiten rechtzeitig und aktiv vorzubereiten. In all diesen Fällen helfen Fertigkeiten zum Analysieren und Lösen von Problemen. Daher besteht ein übergeordnetes Lernziel der Verhaltenstherapie darin, Patienten solche Fertigkeiten beizubringen.“

Fazit:
„In gewisser Weise verkörpert die Verhaltenstherapie eine „vorsichtig-optimistische“ Lebenshaltung, denn sie fördert neues Lernen und Veränderungen in jedem Lebensalter und nutzt dazu systematisch alle Strategien und Methoden, die sich sowohl in der Praxis als auch in der Forschung als zielführend erwiesen haben. Dazu gehört auch das Erkennen, Nutzen und Fördern persönlicher Stärken und Talente. Und so ist es für viele Patienten überraschend, wie viel positive Qualitäten sie bei sich entdecken, sobald sie darin unterstützt werden.“

(Quelle: Kanfer, Frederick H. Und Schmelzer, Dieter: Wegweiser Verhaltenstherapie. Psychotherapie als Chance (Heidelberg: Springer Medizin Verlag, 2005: 2., korrigierte und aktualisierte Auflage).)